Sternstunden der Konsumgesellschaft (11)



Der gemeine Mensagänger isst bisweilen nicht nur preiswert, sondern darf sich zudem noch häufig genug als wertvolles Objekt so mancher Crossmarketing-Strategie fühlen. Besonders beliebt sind hierbei die in unregelmäßigen Abständen verteilten Papiertüten mit Warenproben, zuletzt geschehen vorige Woche. Neben den zig Millionen Flyern, die der studentischen Klientel halsabschneiderische Probeabos aufdrängen sollen, einer Minimalportion Instant-Latte-Macchiato und dem fast schon obligatorischen Kondom (”PleasureMix 1+1: 1 Pleasuremax Condom and 1 PlayWarmingSachet”) ist meist auch etwas Essbares dabei. Obwohl der Begriff “essbar” sicherlich als relativ zu bewerten ist.

Diesmal am Start: “Feine Küche fix & lecker” aus dem Hause Bad Reichenhaller, oftmals nur als Salinenbetrieb bekannt. “Garantiert 100% natürliche Zutaten”, das klingt ja nun zunächst mal gar nicht so schlecht.

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Paprikagulasch, na ja, nicht jedermanns Ding, aber für den studentischen Kochtopf vielleicht ausreichend, denn die studiosi stehen bekanntermaßen auf Fix-Gerichte. Und darum handelt es hier hierbei schließlich, sollte man meinen. Ein Blick auf die Rückseite der Umverpackung offenbart aber gar Erstaunliches:

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“In 90 Minuten servierfertig!” prangt es da in großen Lettern, als gäbe es einen Grund, auf dieses Zubereitungsmerkmal besonders stolz zu sein. Neunzig Minuten?! Welche Existenzberechtigung hat ein Fix-Produkt, dessen Zubereitung mal eben anderthalb Stunden beansprucht? Da lob’ ich mir doch die gute alte 5-Minuten-Terrine.

Zudem heißt es in der Zubereitungsanleitung: “[...] Das Besondere daran: durch ein spezielles europaweit patentiertes Kochverfahren würzen Sie vor und nach dem Anbraten!” Nein, wie praktisch…!




Grandiose 3 Kommentare zu “Sternstunden der Konsumgesellschaft (11)”

  1. betaessen, sag ich ja.

  2. Mir fällt da ein Kollege ein, zu dessen Essdramaturgie dieses Fix-Gericht wie Faust aufs Auge passen würde.

  3. Sehr schön!
    Ich bevorzuge ja im Moment die Mensa an der FH in Sankt Augustin und ich dachte, WIR wären was besonderes, weil wir das 90-Min-Fertiggericht in unseren Tüten haben. Tja, dem ist wohl nicht ganz so. Aber bei uns war - neben der Instant-Latte-Macchiato und dem Kondom - auch noch mehr Müll in der Tüte: Altes MC-Do Spielzeug (in meinem Fall: Das Schwein aus Periode1), komische “Magic - The Gathering” Karten, eine Probe vom “Puma - Der Durft für den Mann” und ein Knusperriegel…
    Und, kannst du da mithalten? ;-)

    Ich finde es erschreckend, dass diese Fertiggerichte nicht nur bei uns, sondern vermutlich in ganz NRW, wenn nicht sogar ganz Deutschland verteilt werden. Da scheint es einer Firma ja richtig gut zu gehen.

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