Damenfußball



20060704_frauenweinen.jpgDas war’s: Ende, aus. Fußballdeutschland trauert. Über das Ende des allgemeinen Fahnenmeers mag man denken, was man will. Sonderbar ist allerdings das Phänomen, dass besonders die weibliche Hälfte des Landes sich betroffen zeigt von der Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gestern gegen Italien.

Vor wenigen Jahren noch war es doch ganz selbstverständlich, dass die Damen bei einer Fußball-WM den Herren einige Wochen Ausnahmezustand zustanden, sich selbst aber kaum beteiligten. Ja, mehr noch: Es gab eine zumindest latente Ablehnung all jenem gegenüber, das auch nur ansatzweise mit Fußball zu tun hatte. Mangelndes Interesse an der Sportart war die wohl meistgenannte Begründung. Und heute?

Gerade lief ich nach der Vorlesung an zwei jungen Damen vorbei, von denen sich eine furchtbar echauffierte. Von weitem sah man nur wildes Gestikulieren. Im Vorbeigehen konnte ich ihrer verbalen Aufregung entnehmen, dass sie “nichts mehr mit Fußball zu tun haben” wolle und “echt genug” habe seit gestern. Ganz so, als ob sie sich ihrer Freundin gegenüber etwa über ihren Exfreund ausließe!

Abgesehen von der Tatsache, dass die Begeisterung für das Spiel des deutschen Teams und auch der WM im Allgemeinen in diesem Jahr fast schon überwiegend von den Frauen ausging, sind sie es offensichtlich nun – nach dem Ausscheiden der Deutschen -, die ganz besonders traurig und geknickt sind. Das mag mit größerer Emotionalität zu tun haben oder allgemein großen Erwartungen – erstaunlich finde ich diesen kurzfristigen Sinneswandel doch.




Grandiose 4 Kommentare zu “Damenfußball”

  1. bringt man euch dieses denken in der soziologie bei…? abseits der wm sind beileibe auch nicht alle männer fußballverrückt und wenn es dann während eines solchen großen turniers gesellschaftlich akzeptierter bis gewünschter ist, dass auch die frauen “mitfiebern”, machen das eben viele mit. dass sie das oft weniger des sports selbst wegen tun, sondern eher fürs gemeinschaftserlebnis etc., ist dabei natürlich wahr – allerdings geht es am gemeinen männlichen fußballstammtisch auch um nichts anderes – nur mit mehr (ebenfalls gesellschaftlich so erwarteter) fachsimpelklugscheißerei.

    vor allem der letzte absatz deines textes ist, aber echt mal, unfug.

  2. Dir – und auch anderen – fehlt manchmal ein bisschen begründende Substanz für allzu starke Worte. So auch hier.

    Du meinst also, Frauen lassen sich auf Grund gesellschaftlicher ( du meinst wohl: männlich bestimmter) Zwänge so kurzfristig in männerdomänische Begeisterungsschemata einspannen? Dieselben Frauen, die für sich im Alltag stets in Anspruch nehmen, mehr Geld als ihre Männer zu verdienen, die so häufig “die Hosen anhaben” wollen und auch sonst mächtig emanzipiert sind?

    Nein, ich glaube, das ist selbstbestimmt. Das ist, wenn man das so nennen darf, weiblicher Nationalismus (denn ich bezog mich – falls das noch nicht klar wurde – auch auf die Fahnenschwenkerei).

    Ich glaube tatsächlich, dass Frauen in der breiten Masse tatsächlich emotionaler auf das Ausscheiden der Deutschen reagieren. Auch Männer tun dies, nur stehen sie allein wegen ihrer Unfähigkeit, Gefühle auszuleben und nach außen zu kehren, damit nicht derart im Mittelpunkt.

    Ja, es gibt Ausnahmen. Ja, ich neige zur Pauschalisierung. Du jedoch auch.

  3. du verwechselst da was. soll- und ist-zustand nämlich. klar wollen die meisten frauen emanzipiert sein – sie sind es aber de facto (noch) nicht. und das wirfst du ihnen vor?? das hat nichts mit pauschalisierung zu tun, sondern mit einer ziemlich verdrehten sicht auf die dinge.

  4. Nö, du bist diejenige, die den Frauen vorwirft, nicht genügend emanzipiert zu sein. Ich dagegen sehe das zu bestimmten Teilen erfolgt – bisweilen so weit, dass bisherige “klassische” Männerdomänen nun mitunter spontan und nur temporär (siehe Fußball-WM) von Frauen zwar nicht unbedingt dominiert, so doch aber erheblich mitgeprägt werden können. Und da habe ich beileibe nichts gegen, auffällig finde ich es dennoch.

Einen Kommentar hinterlassen




XHTML: Du kannst diese HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>