Zweifel
In Zeiten, in denen man sich als Student der Sozialwissenschaften in Relation zu Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern zunehmend unbedeutend fühlt, in denen der latente Eindruck da ist, in Zukunft nicht mithalten zu können, und der Elite von morgen eines Tages untergeordnet zu sein, kommt ein Artikel wie “McKinsey und ich” in der Zeit gerade recht. Zutiefst bewegend geschrieben, stellvertretend für, wie ich meine, eine ganze Generation.

weil die auch leute wie dich nehmen würden?
britta am 27. Mai 2006 um 12:55 Uhr
Nein. Der Artikel kommt gerade recht, weil der Text für mich persönlich die wichtige Botschaft vermittelt, dass es auch andere – wichtigere – Werte gibt als das stete besser-sein-müssen, gepaart mit elitärem Imponiergehabe. Klingt vielleicht ein bisschen konstruiert, und ich bin nicht sicher, ob ich wie die Autorin gehandelt hätte, aber ich hoffe es.
Dominik am 27. Mai 2006 um 13:03 Uhr
die übrigens mal beim dortmunder uniradio war, falls dich das irgendwie beruhigt. ;)
britta am 27. Mai 2006 um 14:22 Uhr
Eine erfrischend ausgeglichene Beschreibung der Realität, die meiner Meinung nach im Grunde beide Handlungsoptionen der Autorin zu Recht als legitime und vernünftige Entscheidungen erscheinen lässt… Wie man sich in so einer Situation nun tatsächlich entscheiden würde ist eben von der eigenen Persönlichkeit abhängig, aber weder das eine noch das andere ist per se als falsch, verwerflich oder dumm abzustempeln.
Bitte mehr Hinweise auf so lesenswerte Artikel. ;-)
Jürgen am 27. Mai 2006 um 15:56 Uhr
sehr wichtiger artikel. im prinzip geht’s tatsächlich um die frage, die sich jeder von uns – in etwas weniger überspitzter form – früher oder später stellen muss.
das ist kapitalismus, der rhythmus wo jeder mit muss.
müssen wir?
Malte am 27. Mai 2006 um 15:57 Uhr
ohne irgendetwas gegen diesen artikel zu sagen: ihr tut alle gerade ein bisschen so, als sei es der erste seiner art gewesen. das thema ist doch nicht neu, leute. (vor allem nicht in der zeit.)
britta am 27. Mai 2006 um 18:40 Uhr
Das stimmt natürlich, Britta, aber es tut doch gut, hin und wieder mal davon zu lesen, dass es tatsächlich auch anders geht. Ich bin diesem Beratungs-Firlefanz gegenüber auch skeptisch – nicht nur wegen der angeblich phänomenalen Arbeitsbedingungen, die einen vielleicht nur vergessen machen sollen, dass man auch über das Schicksal anderer Menschen entscheidet, sondern auch, weil oft dermaßen schlecht und simpel beraten wird, dass einem zum Beispiel als Steuerzahler (der ich ja nun bin), der diese Guthaben mitbezahlt, wenn sie von der Regierung in Auftrag gegeben werden, die kalte Kotze kommt. Meine steten Versuche, einen mir bekannten unglücklichen Berater immer wieder auf diese Seiten des Berufes aufmerksam zu machen, haben bisher nur wenig gebracht…
Stefan am 28. Mai 2006 um 12:43 Uhr
Zumindest unterstreicht der Artikel tatsächlich, wie Dominik sagt, dass es auch andere Werte gibt als die, einen “angesehenen” Beruf zu haben, viel Geld zu verdienen und das Leben auf eine Art zu genießen (teure Flüge, luxuriöse Urlaube, schnelle Autos) als auf die des Jet-Sets. Man fragt sich gerade als Journalist gerne mal, ob man nicht doch etwas anderes hätte machen sollen, wo man wirklich Geld verdient. Denn im Journalismus wird man definitiv nicht reich.
Stefan am 28. Mai 2006 um 12:45 Uhr
Ich bin schon nach fünf Jahren ehrenamtlichen Journalismusses reicher an schönen Erfahrungen und wertvollen Erlebnissen, als ich in es fünfzig Jahren Beratertätigkeit sein könnte.
Übrigens halte ich dieses Beraterwesen für das Produkt einer Gesellschaft, der es zu oft an gesundem Menschenverstand und an Courage fehlt. Dann würden die Betriebe nämlich selbst rausfinden, was sie besser machen könnten, und hätten auch die Traute, dafür geradezustehen.
Hendrik am 28. Mai 2006 um 13:35 Uhr
Also irgendwie habt ihr drei Kommentaler nach mir offenbar nur die eine, die Beratungsbranche anklagende, Seite des Artikels wahrgenommen. Ich bin keinesfalls ein Verfechter der großen Consulting Firmen, aber ich glaube das einseitige “Consulting = böse, steuervernichtend (huh??), menschenverachtend” ist nun auch kein adäquates Bild von der Realität.
Liest jemand von euch das Magazin brand eins? Wenn nicht kann ich es nur wärmstens empfehlen, denn dort werden gesamtgesellschaftliche Themen aus dem Wirtschaftsbereich sehr interessant und vor allem unvoreingenommen aufbereitet.
Diese Unvoreingenommenheit fand ich auch an dem diesem Meinungsaustausch zugrundeliegenden Artikel der Zeit so gut…
Jürgen am 28. Mai 2006 um 14:52 Uhr
brand eins lese ich nicht, insofern kann ich leider nicht mit Informationen daraus dienen. Natürlich ist nicht nur die Beraterbranche anzuklagen, schließlich gibt es auch genug Leute, die diese Berater engagieren, darunter leider in großem Maße auch Politiker. Unzählige Studien sind in den letzten Jahren, vor allem von der rot-grünen Regierung, in Auftrag gegeben worden, ihre Ergebnisse auf Empfängen entgegengenommen worden und nachher verschwunden. Hier haben auch die Politiker viel Geld versenkt. Das wollte ich nicht verschweigen.
Stefan am 28. Mai 2006 um 17:49 Uhr
Stefan, über das hinausgeworfene Geld der Politik für entsprechende Studien wusste ich bisher noch nichts, daher habe ich diesen Hinweis auch dankend aufgenommen. Dabei geht mir jedoch durch den Kopf, wofür sonst noch so Geld von der Politik verschwendet wird (etwa Subventionen und Bürokratie). Und dabei möchte ich eigentlich gar nicht mehr weiter drüber nachdenken – da kommt einem einfach nur das Grausen…
brand eins gibt es unter besagtem Link übrigens kostenlos zu lesen. Alle bisher erschienen Artikel, mit Ausnahme der aktuell im Verkauf befindlichen Ausgabe, sind im Archiv frei verfügbar – wahlweise als HTML oder PDF. Und wer sich aktuell kein Abo leisten kann, bekommt bei Darlegung seiner Situation eins für ein Jahr kostenlos.
Und, nein, ich bekomme kein Geld von denen, aber das Magazin ist einfach gut. ;-)
Jürgen am 29. Mai 2006 um 17:17 Uhr
Das kann ich nur bestätigen! Wer noch nie ein Wirtschaftsmagazin anfassen wollte, sollte sich das bei Brand Eins überlegen. Auch aus ästhetischen Gesichtspunkten!
Hendrik am 31. Mai 2006 um 19:46 Uhr