De vacuis spatii



Zwar wird 2006 unglaublich schlecht, wie die Süddeutsche Zeitung weiß, dennoch kann ich mich meiner alljährlichen Jahresanfangseuphorie kaum erwehren. Und es gehört schon einiges an Endorphinen dazu, meinen einsamen, um 8 Uhr beginnenden Montagmorgen im CIP-Pool erträglich werden zu lassen. Ja, richtig gelesen, mitten in der quasi-vorlesungsfreien Zeit musste ich heute arbeiten. Und, wer hätte das gedacht, ein neuer Negativrekord in Sachen Besucherzahlen bahnt sich an. Doch halt, da, um kurz nach 10 Uhr erfassen zögerliche Schritte das blaue Linoleum. Ein irritierter Blick der Besucherin. Rechner an, aber keine Menschen. Kann das mit rechten Dingen zugehen? Zögern. Abwarten. Noch ein Blick zu mir, und die Frage: “Hier ist doch auf, oder?” Fast will man schreien: Nein! Geh nach Hause!, aber die Pflicht zwingt mich zum gutmütigen Kopfnicken.

Später will ich der morgendlichen Menschenleere einen Kontrastpunkt bieten und fahre zu Saturn, wo Tonträger heute und in den nächsten Tagen angeblich duty free angeboten werden. Gute Idee, wie ich bemerke, Ziel erreicht. Zu Hunderten drängt sich die versammelte Unterschicht und der ein oder andere Mittagspäusler ziellos zwischen den CD- und DVD-Regalen, vorbei an “Geiz ist geil”-Schildern und schwitzenden Mitarbeitern in blauen Hemden, die Mühe haben, die leergefegten Regale wieder zu befüllen. Wieder drängt sich meinen Stimmbändern eine Frage auf, doch ich kann verhindern, dass ich den Massen ein “Habt ihr denn alle keine Arbeit?!” entgegenwerfe.

Ich gewinne nach kurzer Zeit die Einsicht, dass – wie immer bei solcherlei Aktionen – die Preise in den Vortagen künstlich heraufgesetzt wurden, um nun behaupten zu können, alles sei unglaublich erstaunlich günstig. So, wie das ein großer Baumarkt immer wieder macht, dessen Slogan “20 Prozent auf alles!” aber so unschön durchbrochen wird von diesem penetranten Untertitel: “Außer Tiernahrung.” Sogar in der Radiowerbung. Da fragt man sich doch: Warum? Was in aller Welt ist an Tiernahrung so böse, dass sie keiner vermeintlichen Vergünstigung unterliegen darf?

Ungeachtet der unterbliebenen Antwort auf diese weltbewegende Frage und meine Vernunftprinzipen über Bord werfend verlasse ich den Saturn-Markt um 40 Euro ärmer, denke noch einmal kurz “Mist!”, und steige auf seltsame Weise frustriert (wie immer nach solchen Konsumexzessen) aufs Rad. Die Autoschlange zum Saturn-Parkplatz zieht sich bis um die nächste Ecke.




Immerhin schon ein Kommentar zu “De vacuis spatii”

  1. das nenne ich jahresanfang. ausgezeichnet aufgezeichnet. ;)

    trotzdem frohes neues und so.

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