Zurück von der anuga
Mit meinem Q-llegen Tobias Düttmann war ich gestern am letzten Ausstellungstag auf der anuga (Allgemeine Nahrungs- und Genussmittel-Ausstellung) in Köln, und habe mich stundenlang quer durch die Hallen gefuttert. Kostenlos, natürlich.
Bei so einer Fachmesse bekommt man nur als Aussteller, Einkäufer oder Pressefuzzi Eintritt gewährt - letzteres war für uns natürlich kein Problem. Im Coffeeshop auf Radio Q gab’s dann auch ein Interview mit einem ersten Erfahrungsbericht zu hören.
Eine recht große Messe ist die anuga zunächst mal. Von den Lokalitäten her durchaus vergleichbar mit CeBit und Konsorten, und auch der Aufwand, den einige Aussteller an ihren Ständen aufbringen, ist beachtlich: Da hängen überdimensionale Plasmabildschirme in denen - vermutlich exorbitant teuer produzierte - Werbefilmchen laufen, wie Poster an der Wand; eine riesige Pyramide aus italienischen Schinken türmt sich bei einem entsprechenden Hersteller, und bei den Bierständen in Halle 13 kommt man sich wegen der schieren Größe vor wie auf einem Volksfest. Laute Musik dröhnt hier. Stets blonde, stets gutaussehende Hostessen mit dünnen Ärmchen und dünnem Lächeln schieben sich zwischen schwitzenden, dickbäuchigen Männern her, immer auf gut gefüllte Gläser ihrer Kunden bedacht. Einzig beim Hersteller eines Weizenbiers stehen drei waschechte, ebenso dickbäuchige Gustl-Bayrhammer-Verschnitte hinter den Zapfhähnen, reichen Weizen in 0,3-l-Gläsern, und genehmigen sich zwischendurch “a Nasn” Schnupftabak.
Etwas abseits der zentral gelegenen Stände der “Global Player” der Ernährungsindustrie, stets am Rand der jeweiligen Halle gelegen, findet sich die Asia-Connection: Unbekannte Mittelstandsfirmen aus dem fernen Osten versuchen hier, die Gunst internationaler Einkäufer, oder zumindest deren Aufmerksamkeit für eines ihrer Produkte zu gewinnen. Die Firmen heißen immer “Hashimoto Ltd. Co.” oder ähnlich, haben einen fast schon bedauernswerten Slogan wie “Best Seafood!” und beschäftigen auch fast immer zwei nur bröckchenweise Englisch sprechende Vertreter mit dicken Brillen, die sich ganz offensichtlich langweilen, und, mal mehr, mal weniger wild diskutierend, in der hintersten Ecke ihres Stands sitzen.
Nähert man sich diesen kleinen Ständen neugierig, dauert es oft nicht lang, bis einer der Aussteller aufspringt, zum Probieren der dargebotenen Produktpröbchen auffordert, und so lang unterwürfig guckt, bis man zumindest ein gutmütiges Wort für die meist exotischen Frucht- und Gemüsevariationen übrig hat. Und wenn der Kollege dann ausgerechnet den gerösteten Knoblauch probiert, ihn aber schnell wieder auszuspucken zu höflich ist, fragt man dann kollegial nach einem der Prospekte, dankt freundlich, man müsse jetzt weiter, thank you.
Halle 11 dann, “Bakery, Bread and Hot Beverages” heißt es im Messeplan, also Kaffee und Brötchen. Die gibt es auch. An diversen Ständen von Kaffeeherstellern gibt es Kaffeeproben aus Plastikbecherchen, nur bei illy macht man sich die Mühe, an einem eigens eingerichteten Tresen (über dem gleich 4 dieser riesigen Panasonic-Plasmaschirme hängen) frisch gebrühten Espresso und Cappuccino in den dafür üblichen Tassen auszuschenken. Illy wurde vor einiger Zeit von der Stiftung Warentest für seine Espressobohnen ausgezeichnet, und das, wie sich zeigt, zurecht: Ein Cappuccino wie in Italien wird da serviert, ach was, besser: Ein sehr italienisch aussehende langhaarige Cappuccinokünstler zaubert unbegreiflich geschickt Muster in die Crema, mal ein elegantes Zickzack, mal ein Herz, für die Damen. Von einem seiner vermeintlichen Landsleute angesprochen, ob man dafür spezielle Milch benötige, erwidert der Künstler: “I don’t understand you, I’m from Germany.”
Gegen 14 Uhr - es ist schließlich der letzte Messetag - scheint sich die Anspannung zu legen. Einige Stände sind bereits geräumt, an anderen beginnen die Mitarbeiter, große Kartons mit noch brauchbaren Ausstellungsstücken zu befüllen; andere legen ihre sonst wohl der Vernichtung anheim gefallenen Lebensmittel einfach an den Rand des Stands. Darauf scheinen einige Kölner nur gewartet zu haben: Binnen Minuten erhöht sich die Frequenz der zu beobachtenden Kopftücher und Vokuhilas derart, dass einem bald schwindlig wird. Mit großen Einkaufstüten unterm Arm strömen mit einem Mal schier ungeahnte Menschenmassen durch die Hallen, und greifen zu, wo sie nur dürfen. Hartz IV lässt grüßen. Überall dürfen sie freilich nicht zugreifen: “Kann haben Kaffee?” fragt eine junge Frau, wird aber von einem Anzug tragenden, streng guckenden Standinhaber weggeschickt.
Es zieht uns noch einmal in Richtung Bierhersteller. Hier ist nun noch viel mehr los. Reißdorfer Kölsch. Anzughosen, alte Gesichter. Die Stehtische wackeln unter dem ihnen aufgelasteten Gewicht. Eine Hostess, Studentin aus Münster, wie zu erfahren ist, zieht ihre Kreise, sammelt hier ein, schenkt dort aus, lächelt. Wie findet sie die Messe?
Es ist die Hölle, sagt sie.

wäre es möglich, dass eben jene studentin gerade erst nach münster gezogen ist, bei uns praktikantin war und ziemlich gut aussieht?
Fid am 14. Oktober 2005 um 15:18 Uhr
Ähm… nein. :) Sie hat Dütti und mich zwar an unseren am Revers befestigten Q-Buttons “erkannt”, kannte Radio Q aber nur als Hörerin und nicht als Praktikantin.
Dominik am 14. Oktober 2005 um 16:35 Uhr
ich frage nur weil eben jene praktikantin auch als hostesse da war.
Fid am 17. Oktober 2005 um 23:12 Uhr
Um ehrlich zu sein, weiß ich jetzt spontan nicht, wen du meinst (mag durchaus mein Defizit sein) - nenn doch einfach mal den Anfangsbuchstaben ihres Vornamens… :)
Dominik am 18. Oktober 2005 um 9:17 Uhr
Ich glaube, wir haben zwei neue Praktikantinnen-Betreuer. (Nachdem Kai D. und sein designierter, aber irgendwie nie in Aktion getretener Nachfolger Dütti dieses Amt abgegeben haben… ;-)
Manu am 18. Oktober 2005 um 15:50 Uhr
Recht treffender Bericht vom letzten Tag der ANUGA! Das gleiche Spiele gibts dann noch mal jährlich im Wechsel beim “Messetrio” in Düsseldorf: Intermeat/Intermopro/Intercool. Dort ist am letzten Tag auch immer Abräumen angesagt und die Leute fahren mit Einkaufswagen voller Schinken, ganzer Laibe Käse und sonstigem Kram durch die Gegend. Das Messe-Highlight in diesem Jahr für mich waren übrigens die Milchstrohhalme namens “Sipaah”: “Insert into cold milk, Sip, and say Ahh!”. Grüße!
Sebastian am 19. Oktober 2005 um 15:09 Uhr
Warum ist dieser Blog nicht bei http://www.blogister.de eingetragen?
it´s me am 19. November 2005 um 12:45 Uhr
[...] Berichtete ich einst bereits verzückt über die kunstvollen Machenschaften eines illy-Angestellten auf der anuga, so ist dieser Künstler hier wohl nur als Fortgeschrittener zu bezeichnen… 0 0 0 Trackback | [...]
Listen Up! dominik.osterholt.weblog » Art of Coffee am 9. April 2006 um 9:20 Uhr
[...] Puh… schwierig. Das kommt wirklich auf den Anlass und Appetit an. Formidabel fand ich den Cappuccino auf der anuga. So einen locker-flockig-lässigen Milchschaum habe ich danach nicht mehr genießen [...]
Kaffeestöckchen » Listen Up! am 9. Juni 2007 um 16:58 Uhr