Stelldichein der Zwangsneurotiker
Bei meinem an sich ja recht lauen Studi-Job im CIP-Pool der Soziologie und Politik war heute echt Amok angesagt.
Vorgeschichte: Seit einigen Wochen kommt eine Dame von etwa Mitte Fünfzig bei uns in den Pool, um jedes Mal auf dieselbe Art und Weise um Hilfe zu bitten. Sie sei nicht an der Uni Münster immatrikuliert, verfüge daher über keine Kennung um sich an unseren Rechnern anzumelden, ob sie nicht “mal eben” diesundjenes auf Diskette speichern, ausdrucken oder sonstwas tun könnte. Wenn man dann als Hilfskraft nicht sofort springt, startet die Dame Stufe 2, und verwöhnt einen mit wilden Geschichten um die angebliche Nichtigkeit irgendwelcher Gerichtsbeschlüsse, die sie um ihre Immatrikulation an der münsterschen Uni betrögen. Da seien ganz gemeine Verwaltungsbeamte am Werk, die nicht einsehen würden, dass sie recht habe, deshalb habe sie geklagt, dann habe es irgendwelche Haftbefehle gegen sie gegeben, und bla bla bla.
Ziemlich eindeutiger Fall von Wahnvorstellungen. Vielleicht.
Bevor man sich versieht, hat die Frau einem schon ein gewaltiges Kotelett an’s Ohr gelabert. Daher war ich bislang auch nicht in der Lage, ihren Wünschen großartig zu widerstehen. Frei nach dem Motto “Dann hab’ ich’s endlich hinter mir” war es mir nicht mal zu teuer, die Frau über meinen Print-and-Pay-Account den einen oder anderen Computer-Ausdruck zu schenken, nur damit sie mich um Himmels willen in Ruhe arbeiten ließe. Aber das hat jetzt ein Ende.
Heute nämlich war die gute Dame mal wieder da. Sie wollte ein PDF-Dokument von einer Webseite auf ihre Diskette kopiert haben. Nach kurzem Hin und Her war ich, der Gute und Milde, dazu bereit. Webseite aufgerufen, Dokument kopiert, hier Ihre Diskette, bittesehr.
Sie: “Ach, wenn sie schon dabei sind, könnten Sie’s doch auch sicher noch mal ausdrucken, ja?”
Ich: “Nein. Das hatten wir letzte Woche schon, das darf ich nicht, gehen Sie zum Copyshop.”
Sie: *Grummel* – “Hm, na gut, ähm, aber…”
Ich: “Nein.”
Sie verlässt schlurfend den Beratungsraum, ich will schon durchatmen – da stellt sich die Dame mitten in den CIP-Pool, wo einige Studenten auf freie Arbeitsplätze warten, und fängt wild an zu schimpfen: Das habe es “früher ja wohl nicht gegeben”, “der da vorn sitzt schon seit ‘ner halben Stunde da”, und ähnliches. Abgesehen davon, dass die Frau ja gar keine Kennung hat, mit der sie sich hätte anmelden können: Das hat mir gereicht.
Mit Unterstützung meines Kollegen Patrick war mir dann geradezu wohlig dabei, die Dame freundlich aber ziemlich bestimmt des Pools zu verweisen. Spinner gibt’s echt überall. Undankbare noch dazu.

ich glaube, die frau kenne ich. sie ist mir schonmal im ZIV begegnet und hat mir damals auch ein kotellete ans ohr gelabert von wegen, dass sie zu unrecht nicht immatrikuliert ist. kam mir alles sehr bekannt vor *G*
Martin am 8. Juli 2005 um 20:13 Uhr
was für einen grund hat sie denn und was waren das für haftbefehle?
klingt amüsant :)
Fid am 9. Juli 2005 um 22:14 Uhr
Wäre diese Dame 25-30(gutausehend) gewesen und nicht immatrikuliert, hätte ich für diese Dame wahrscheinlich mein ganzes Druckerkonto geplündert:)
bernh am 10. Juli 2005 um 0:31 Uhr
Fid: Ich habe die Frau ja nun schon öfter erlebt, aber es ist niemals wirklich deutlich geworden, warum genau ihr die Immatrikulation verweigert wird. Wenn ich mir aber die Erzählungen vom CIP-Pool-Kollegen Patrick, der mit der Frau in einem Seminar sitzt, anhöre, bekomme ich eine Ahnung: Störung des Universitätsbetriebs. Die scheint nämlich noch dazu eine vom Schlag “Dagegen!” zu sein und macht dauernd Terror zu unterschiedlichsten Themen.
Dominik am 10. Juli 2005 um 10:50 Uhr
nicht immatrikuliert aber sitzt im seminar? die frau muss langeweile haben…
Fid am 10. Juli 2005 um 18:26 Uhr
selbst ich kenne diese dame und habe sie dabei beobachtet, wie sie einen mitarbeiter von uns, simon, malträtiert hat. und dabei war ich erst einmal in meinem leben im soziologie-cip-pool. aber dominik, auch ich nerv dich glaub ich dauernd. hoffentlich verweist du mich bald nicht aus Q. :)
britta am 14. Juli 2005 um 9:05 Uhr