Unterschichtenfernsehen
Bei der Lektüre des heutigen Seite-3-Artikels der Süddeutschen Zeitung bleibt einem bald das Müsli im Halse stecken, so bitter die Wahrheit übers Unterschichtenfernsehen und seine Konsumenten, die Holger Gertz da schonungslos präsentiert.
Typen wie der im dortigen Artikel beschriebene Endemol-Deutschland-Geschäftsführer Borris Brandt sind sicher nicht alleinige Ursache, doch aber Katalysator des kulturellen Fernseh-GAU.
Interessant aber, dass in aller Regel nur die Privatsender als schwarze Schafe der Branche identifiziert werden. Denn wie viel besser ist denn schon “Fliege – Die Talkshow” als seine privattelevisionären Pendants? Was unterscheidet das öffentlich-rechtliche “Brisant” von Exklusiv, Explosiv und, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, vom konidiotischen “PROMPT”?
Von der großen Unterhaltungssparte musikalischer Abstumpfung – manche nennen es Volksmusik (und hier meine ich vorrangig das ZDF) – mal ganz abgesehen, ist das Fernsehen im Allgemeinen tatsächlich zu dem geworden, was Hans Magnus Enzensberger noch 1997 in seiner Nullmediumsthese negierte: Ein Verblödungsmedium; die tägliche geballe Ladung Stumpfsinn, der sich zu entziehen nur wenige fähig sind. Auch ich nicht, aber das scheint mir kein Grund zu sein, die Dinge nicht beim Namen nennen zu dürfen.

Naja… der “einfache Bürger” braucht eine Kontrollinstanz, die ihm sagt, ob er richtig lebt – diesen Wunsch nach überwachender Bestätigung erfüllten früher Götter, dann Regierungen, und heute Big Brother und Barbara Salesch. Bleibt die Frage, wohin autonom und authentisch denkende Massen führen würden…
Bjoern am 29. April 2005 um 17:21 Uhr
die unterschicht sind wir alle, die nicht nur nachrichtn im fernsehen sehen. wer hat denn noch nicht seine voyeuristischen triebe vorm fernseher befriedigt, auch wenn er dann sagt: so eine scheiße gucke ich mir nich mehr an.
auch die öffemntlichen sind von der unterschicht nicht gefreit: bestes beispiel ist die sendung polylux, die stark an stefan raab denken läßt.
also: es kann nur noch bergab gehen.
christiane am 27. Mai 2005 um 11:51 Uhr
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