Moloch Kairo
Ein Fräulein namens Mumie13 schreibt im Zeit-Blog während ihres Studiums in Kairo, was sie dort so erlebt. Und den Titel ihres Blogs, “Im Moloch Kairo”, kann ich nach meinem Besuch im letzten Jahr gut nachvollziehen. Selten habe ich eine so beängstigend große und volle Stadt gesehen. Meine Eindrücke in kurzen Worten: Verdammt, ist das riesig und doch eng.
20 Millionen Einwohner – 60 Millionen im Großraum – sind schon eine wirklich beeindruckende Zahl. Auf den Märkten ist es für den Touristen schier unerträglich, so oft wird er angesprochen, aufgefordert, ja fast genötigt, etwas zu kaufen. Und selbst wenn er dies tut sind die Händler nicht zufrieden, dann muss es noch etwas sein. Natürlich spottbillig. Angeblich. Setz dich dorthin. Tee. Und jetzt kauf. Aber handle gefälligst vorher. (Ach ja: Wie viele Kamele willst du für deine Freundin?)
Natürlich sind das kulturelle Unterschiede. Natürlich sind die Leute aufgrund ihrer Armut mehr oder minder gezwungen, so zu handeln. Aber Spaß machen muss mir das nicht.
Aber es ist nicht allein das. Ich als westlicher Tourist – noch dazu mit blondem Haar als solcher klar erkennbar – der diesen vielen, eigentlich durchweg armen Menschen begegnet, habe mich nirgends in Kairo wohl gefühlt. Dass dies nur ein Gefühl war, das nicht auf konkreten Anfeindungen basiert, möchte ich betonen. Dennoch: Es war eine latente Ablehnung vorhanden, die ich angesichts der Ereignisse der letzten Jahre verstehen kann. Die vielen jungen Wachsoldaten mit der Kalaschnikow im Anschlag gaben mir auch eher das Gefühl der Bedrohung, denn des Schutzes.
Tja. Hab’s überlebt. Viel Glück, Mumie13.

“Verdammt, ist das riesig und doch eng.” ? Sounds good! There’s nothing like working on Broadway!
Joe York am 17. Februar 2005 um 4:02 Uhr