Shimon Stein in Münster – Fazit
Wie ich berichtete, war Shimon Stein, israelischer Botschafter in Deutschland, am 16.11. in der Aula am Aasee in Münster, um einen Vortrag über “Perspektiven für Israel” im Nahostkonflikt zu halten.
Und wie war’s? Zunächst einmal sehr voll. Dann sehr sicher – immerhin musste jeder, der dem Vortrag lauschen wollte, Taschen und Jacken am Eingang abgeben und sich – ganz wie am Flughafen – von gut gebauten Männern per Metalldetektor überprüfen lassen. Allein 8 Mannschaftswagen der Polizei standen rings um das seit Stunden abgesperrte Gebäude des Instituts für Politikwissenschaft bereit…

Inhaltlich hatte die Veranstaltung leider weitaus weniger zu bieten. Nachdem der studierte Geschichtswissenschaftler Stein einen kurzen geschichtlichen Überblick über den Nahostkonflikt seit 1948 gegeben hatte, folgte ein äußerst kurz angerissener, für mich persönlich sehr unbefriedigender Exkurs über die Möglichkeiten, die Israel hat bzw. neuerdings – nach dem Tod Arafats – haben könnte.
Leider scheinen diese Möglichkeiten laut dem – wie er sich selbst bezeichnete – “Hardliner” Shimon Stein sich auf den Erhalt bzw. die Erweiterung der völkerrechtswidrigen Schutzmauer, bis der Terror sich auf ein erträgliches Maß reduziert hat, zu beschränken. Anschließend seien Verhandlungen mit der palästinensischen Regierung möglich, so Stein weiter.
A propos Völkerrecht: Dass jenes nach der Meinung Herrn Steins immer nur “Spiegel des Zeitgeistes” und diesem somit “anzupassen” sei, stieß den meisten Anwesenden sicher ziemlich bitter auf.
Engagierten Zwischenfragen wich der Botschafter mit teils recht obskuren Vergleichen aus; verwies bei der Frage nach einer Lösung für die Millionen Palästinenser in Flüchtlingslagern lediglich auf die Verantwortung der umliegenden arabischen Staaten und zog schließlich auf Nachfrage wegen der problematischen Biographie von Premierminister Ariel Scharon (u. a. Vorwurf von Kriegsverbrechen) den – meiner Meinung nach völlig unangebrachten -Vergleich mit dem jungen Joschka Fischer heran, welcher trotz seiner Sponti-Phase in den späten 1960er Jahren seriöse politische Karriere gemacht hat.
Fazit: Für eine Veranstaltung mit dem Titel “Welche Perspektiven hat Israel?” und als Referent, der eine solche Position innehält, ein äußerst blasses Bild. Enttäuschend.

Hmm. Schade wirklich. Das passt zum Erscheinungsbild von Israel.
nb am 24. November 2004 um 9:17 Uhr